Seit den siebziger Jahren veranstaltet die Tierklinik Hochmoor alle zwei Jahre im Rahmen der EQUITANA-Weltmesse des Pferdesports einen zweitägigen Kongress für Pferdemediziner.
Bei der Themenauswahl wurde viel Wert auf einen Bezug zur täglichen praktischen Arbeit gelegt , sodass jede/r teilnehmende Kollegin/e wertvolle Neuigkeiten für die Praxis mit nach Hause nehmen konnte. Zahlreiche ausländische und teilweise englischsprachige Referenten (Simultanübersetzung der englischsprachigen Vorträge) haben das Programm in diesem Jahr bereichert.
Das diesjährige Programm widmete sich schwerpunktmäßig den Themen "Neurologische Erkrankungen", "Erkrankungen der Wirbelsäule" und dem "Einsatz von Antibiotika in der Pferdemedizin". Besonderes Interesse fanden die Vorträge zur Epilepsie und Narkolepsie (Feige) des Pferdes und zum Problembereich Wobbler-Syndrom (Reed, Denoix). Im Themenkreis Rückenerkrankungen wurde deutlich, dass röntgenologische Befunde an den Dornfortsätzen allein keine "Krankheit" und auch keinen Mangel im Sinne des Kaufrechtes darstellen.
Interessant war am Samstag der Themenblock zum Einsatz von Antibiotika in der Pferdemedizin und die anschließende Diskussion. Besonders die Botschaft aus Italien (Torre), dass man bei vielen Standartoperationen (Arthroskopie, Kastration, Desmotomie) auf einen Antibiotikaeinsatz ganz verzichten kann, ohne dass damit ein erhöhtes Wundinfektionsrisiko einhergeht, verdient festgehalten zu werden. Bei über 600 Patienten verzichteten die italienischen Kollegen auf eine postoperative Versorgung mit Antibiotika. In der gleich großen Vergleichsgruppe mit Antibiotikaversorgung war die Zahl der Wundinfektionen ähnlich, es traten aber deutlich häufiger Colitis-Erkrankungen auf.
Auch bei intraartikulären Injektionen ist eine Antibiotikaabdeckung des Patienten nicht notwendig (Torre). Das gleiche gilt für Patienten mit kleineren Wunden oder Bagatellverletzungen. In solchen Fällen steht es dem behandelnden Tierarzt frei, antibiotisch zu versorgen oder nicht. Aus forensischer Sicht gibt es hier keine festen Vorgaben (Gerhards, München).
Neben ca. 400 Tierärzten aus Deutschland, der Schweiz, Österreich, Ungarn, den Beneluxstaaten, Spanien und Island waren fast 200 Studenten am Kongress eingeschrieben. Zählt man auch die Referenten, Gäste und Begleitpersonen hinzu, so waren mit über 700 Teilnehmern wieder erfreulich viele Personen in Essen zusammengekommen. Die sehr offene und freundliche Atmosphäre des Kongresscenters West trug sicherlich dazu bei, dass der Kongressbesuch von allen als sehr positiv empfunden wurde.
Durchweg sehr zufrieden zeigten sich auch die Aussteller auf der angrenzenden Industrieausstellung über das rege Interesse der Kongressbesucher an ihren Produkten und Dienstleistungen. In dem modern und großzügig gestalteten Foyer und im Saal Panorama erwartete eine informative Ausstellung mit 34 Ausstellern die Tierärzte. Die Kongressteilnehmer konnten sich einen Überblick über neue Entwicklungen und Produkte aus den Bereichen Arznei-, Heil- und Futtermittel, Gerätetechnik (Endoskopie, Ultraschall, digitales Röntgen, Szintigraphie etc.) und Dienstleistungen rund um die Tierarztpraxis (Software, Versicherungen, Finanzberatung etc.) verschaffen. An dieser Stelle sei den Firmen für ihre große Bereitschaft, diese Tagung so großzügig zu unterstützen, gedankt. Ohne den persönlichen und finanziellen Einsatz der Ausstellerfirmen wäre ein solcher Kongress in dieser Form nicht durchzuführen gewesen.
Neben der wissenschaftlichen Fortbildung stand in Essen wie immer auch das gesellschaftliche, das sich Treffen und der Austausch beruflicher und persönlicher Neuigkeiten im Mittelpunkt. Häufig waren die Gespräche mit den Kollegen im Foyer so angeregt, dass die Teilnehmer die rechtzeitige Rückkehr in den Konferenzsaal verpassten. Dies führte teilweise zu Störungen der Vortragenden und auch zu zeitlichen Verzögerungen im Programm. An dieser Stelle sei die Bitte an die Teilnehmer erlaubt, bei Kongressen dieser Größenordnung einige Minuten vor Beginn der ausgedruckten Anfangszeiten im Tagungssaal Platz zu nehmen.
Wer in diesem Jahr nicht nach Essen kommen konnte, hat die Möglichkeit, sich im sehr informativen Beiheft zur Tagung über die wichtigsten Meinungen und Neuigkeiten zu informieren. Gerne senden wir Ihnen das Beiheft gegen Gebühr zu (15 ,-€).
Allen Teilnehmern und Teilnehmerinnen dieser Tagung danken wir für Ihr Kommen und hoffen, Sie in zwei Jahren in Essen zur XVII. Tagung über Pferdekrankheiten am 16.-17. März 2007 zu begrüßen zu dürfen.
XVI. Tagung über Pferdekrankheiten im Rahmen der EQUITANA, Essen 4.-5. März 2005