September 2013

Viele Reiterinnen und Reiter sind am 17.09.2013 zur Tierklinik Hochmoor gekommen, um die Dressur-Europameisterin und Olympia-Silbermedaillegewinnerin Helen Langehanenberg live als Referentin zu erleben. Den ca. 130 Zuhörererinnen und Zuhörern wurde ein kompaktes und interessantes Programm geboten.

Dr. David Lichtenberg aus der Tierklinik Hochmoor befasste sich in seinem Vortrag  mit den sportmedizinischen Erkrankungen des Dressurpferdes. Ähnlich wie bei einem Hochleistungssportler steht das Muskel- und Knochensystem eines Dressurpferdes unter extremen Belastungen. Mit dem Wissen um spezielle medizinische Probleme von Dressurpferden ist es den Reitern möglich, die Ausbildung ihrer Pferde besser und nachhaltiger zu gestalten. Warum z.B. Knorpel leidet, welche Auswirkungen die Beschädigung der Knorpelschicht auf die Beweglichkeit der Gelenke hat, welche Art von Lahmheiten sich entwickeln können und wie man eine Lahmheit diagnostizieren und behandeln kann, waren wichtige Fragen, die im Vortrag erläutert wurden. Eine gründliche Untersuchung, zunächst ohne Gerätemedizin, ist die Grundlage jeder tierärztlichen Behandlung. Erst danach werden die weiteren diagnostischen Verfahren eingesetzt. Röntgen, diagnostische Anästhesien, Ultraschalldiagnostik, Szintigraphie, Computertomographie: Die sogenannten bildgebenden Verfahren wurden anhand von Beispielen und eindrucksvollen Bildern erläutert. Obwohl die Medizin in den letzten Jahren in diesem Bereich enorme Fortschritte erfahren hat, erfordern Lahmheiten oft eine große Geduld seitens der Betroffenen. Lahmheiten haben viele Gesichter und können eine sehr lange Behandlungsdauer bedeuten. Die häufigsten orthopädischen Probleme bei Dressurpferden, wie Fesselträgerursprungserkrankungen besonders an Hinterbeinen und Hufgelenksentzündung bzw. -arthrose, wurden erläutert und die wichtigsten Therapieschritte erklärt. Diese beinhalten primär die medikamentöse Therapie, die sogenannten regenerativen Methoden (zu denen IRAP, PRP, Stammzellen zählen), den physikalischen Therapien (wie z.B.  die Stoßwelle) und nicht zuletzt die chirurgische Therapie (wie die Arthroskopie). 

Anschließend zum ausführlichen Vortrag von Dr. Lichtenberg aus der Tierklinik Hochmoor stellte Dr. Gelja Surma von der Firma IDT Biologika die regenerative Methode mit PRP (Platelet Rich Plasma) vor, bei der durch Gewinnung und Einspritzen von Thrombozyten in eine erkrankte Sehne eine effektive und nachhaltige Heilung herbeigeführt werden kann.


Nach den medizinischen Themen waren die Teilnehmer auf den Vortrag von Helen Langehanenberg gespannt. Die berühmte Dressurreiterin, die kürzlich im dänischen Herning den Europameistertitel mit der Mannschaft gewonnen hatte, erläuterte in einem persönlichen und sehr lehrreichen Vortrag die eigene Ausbildungsphilosophie. Entscheidend sei dabei, einen festen Ausbildungsplan zu haben und den Willen, diesen Plan genau einzuhalten. Dabei sei extrem wichtig, das Pferd nicht zu überfordern. Auch die besten Dressurpferde im Stall Langehanenberg werden nicht länger als 15-20 min. täglich  trainiert, es werden max. eine bis zwei Lektionen pro Trainingseinheit geübt. Und wenn das Pferd die Lektion an einem Tag hervorragend absolviert, wird es nicht durch eine zusätzliche Lektion weiter strapaziert, sondern z.B. durch einen Spaziergang im Wald entlastet. Ruhepausen sind, so Langehanenberg, extrem wichtig , deshalb werden Dressurpferde nach einer intensiven Trainingperiode abtrainiert und auf die Weide 1-2 Monate zum Regenerieren gestellt. Bei den im Video gezeigten Dressurritten herrschte im Saal bewundernde Stille, gebannt schauten die Teilnehmer auf die extrem eleganten und äußerst präzisen Bewegungen von Pferd und Reiterin. Jeder konnte nach den Ausführungen von Frau Langehanenberg anhand der Videos feststellen, wie intensiv und konzentriert die jungen Pferd die Lektionen vollbringen. Insgesamt konnten die zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer aus erster Quelle von einer Spitzensportlerin mit viel Charisma erfahren, wie eine effiziente und schonende, d.h. überbelastungs- und verletzungsvermeidende Ausbildung des Dressurpferdes möglich ist und zum Erfolg führt.

- zum Bericht in der Gescherer Zeitung