XXI. Tagung über Pferdekrankheiten im Rahmen der EQUITANA in Essen

Es war eine schöne Tagung über Pferdekrankheiten: sehr interessante und aktuelle Vorträge, viele zufriedene Teilnehmer (609), eine ausgebuchte Fachausstellung sorgte für und eine entspannte, freundschaftlich-kollegiale Stimmung im Congress Center der Messe Essen. Die parallel laufende EQUITANA Messe des Pferdesports mit über 200.000 Besuchern war ausgesprochen gut besucht und wurde auch von den Kongressteilnehmern rege als ergänzendes Element frequentiert.  

Der erste Kongresstag bot ein internationales Programm, das durchgängig in zwei Sprachen (E/D) präsentiert wurde. Bekannte Referenten wie Sue Dyson (GB), Safia Barakzai (GB) Olivier Simon (B) und Erik Bergmann (B) berichteten über die Ergebnisse ihrer Arbeit. Vorträge mit besonderem Praxisbezug waren die von Markus Menzel (Thurmading) vorgetragenen positiven Erfahrungen in einem Vier- Jahre-Zeitraum mit der selektiven Entwurmung, weiterhin die Möglichkeiten der konservativen Behandlung von inkarzerierten Inguinalhernien durch Olivier Simon und, besonders interessant und für jeden Praktiker von großer Bedeutung, die neuen Erkenntnisse zum Schmerzempfinden kastrierter Hengste von Dirk Lebelt (Havelland, Berlin). Er und seine Mitarbeiter stellten fest, dass die Methode der Wahl, um das Wohlbefinden der Kastraten nach dem Eingriff zu steigern, in der Durchführung einer Infiltrationsanästhäsie der Samenstränge kurz vor dem Quetschen derselben sei. Auch zwei Vorträge am Freitagnachmittag zur Anwendung des Röntgenleitfadens im Zusammenhang mit der Befundung bei Kaufuntersuchtungen stießen auf großes Interesse im Auditorium. Die von Ulrich Walliser (Kirchheimn) vorgetragenen Ergebnisse wurden als Diskussionsgrundlage von vielen Kollegen aufgegriffen. Walliser kam nach der Auswertung seiner Patienten zu der Erkenntnis, dass nur Befunden der Röntgenklassen 4 und 3-4, die im Zusammenhang mit einer Kaufuntersuchung erhoben werden, eine prognostische Bedeutung für die zukünftige Gesundheit des Pferdes zugesprochen werden könne. Aus dem Saal kam von einem Kollegen der Vorschlag, bei der Kaufuntersuchung nur noch zwei Gruppen von Pferden zu ermitteln, Gruppe 1 „akzeptabel“ (RöKl. 1, 2,3) und „nicht akzeptabel“ (Rökl 3-4, 4). Aus dem Plenum wurde desweiteren angeregt, den Begriff „Kaufuntersuchung“ in „Tagesaktuelle Gesundheitsüberprüfung“ zu ändern.

Mit einem  gut gegliederten und praxisnahen Vortrag über Stuten in der Frühträchtigkeit eröffnete Christine Aurich aus Wien den zweiten Kongresstag. Mit beeindruckenden rhetorischen Fertigkeiten vermittelte Christiane Cuny vom Robert Koch-Institut neueste Erkenntnisse über die Gefahren der MRSA-Besiedlung bei Mensch und Pferd. Erfreulicherweise stießen auch die Vorträge über die Digitalisierung in der Tierarztpraxis auf großes Interesse: Dr. Google, Facebook und Co. sind offensichtlich für die allermeisten ein wichtiges Thema und der Umgang mit dem internetwisssenden Klienten eine tägliche Herausforderung. Referent Björn Becker (Bad Bentheim) riet in seinem unterhaltsamen Vortrag zur sachlichen Auseinandersetzung mit den medizinischen Fakten und forderte, den durch das Vorwissen der Patienteneigentümer erhöhten Beratungsaufwand GOT-konform mit höheren Sätzen in Rechnung zu stellen. Mit informativen Bildern und klaren Statements nahm Willy Neumann (Kamen/Hochmoor) in seinem Vortrag den Eingriffen an der Linse ihren Schrecken. Die Tagung endete am Samstagnachmittag mit beeindruckenden Vorträgen von Karsten Feige zur Coilembolisation bei der Luftsackmykose und von Rechtsanwalt Burkhart Oexmann, der für die Tierärzte positive Wendungen im Haftungsrecht erläuterte. Mit einer abschließenden historischen Betrachtung der Möglichkeiten von Operationen am stehenden, nicht narkotisierten Patienten beendete am späten Nachmittag Hartmut Gerhards (München) diese rundum gelungene Veranstaltung. 

 

Das Tagungsheft zur diesjährigen Tagung ist bei dem wak Verlag oder im Buchhandel (ISBN 978-3-9812848-7-4) zum Preis von 28,- Euro zu erwerben. - hier bestellen -